Klasse

Hans Schabus

"Pfeiler" ist ein Ausstellungsraum in der Brückenpassage / MQ.

Im halbjährlichen Rhythmus wird hier eine Arbeit von Absolvent*innen der Abteilung Skulptur und Raum gezeigt.

Ausstellungseröffnung

Dienstag, 07. Jänner 2020, 18 Uhr

Philip Pichler
„Gift“

Lower volume in higher frequencies, deep layered brown noise. Like a whole ocean, rumbling between 5 and 9 Hz. A frequency, lower than the limit of human hearing.

A “rough” present to the sleep deprived person. Relaxing and calming deep sleep aid. The downside: Earbuds prevent me from being a side sleeper. Gotta stay on my back at all times.

(Ab morgen keine toxische Feinstaub Belastung sondern autofreie Innenstadt; ein möglicher Wunsch. Das Gegenteil: Ein vermeintliches Geschenk für die Allgemeinheit. “Liebe Mieterinnen und Mieter, bitte Entschuldigen sie die nächtliche Störung in den kommenden Wochen [...]” - Herr Oberbürgermeister. Persönliche Unterschrift. Acht Spuren sind die Zukunft vor dem Fenster.)

Typically, I prefer smoothed brown noise. It is not as rough. Mixes on streaming plattforms are between 6 and 12 hours long. Cancelling most noise, making sense of my existence.

 

Text: Daniel Stubenvoll

 

Mittwoch 12. Juni–Sonntag 13. Oktober 2019
Eugen Wist
„unwanted souvenir“

Es ist flach und heißt Schiefer

Es hat einen Namen und… Geste, Geste… mit meiner Hand vom Gehsteig

Ich kann nicht aufhören, mich für die getrockneten Blumen an meiner Wand zu hassen

Dieses Kit ist dazu da, das Vergangene zu überkommen

Die ordentliche Altbauwohnung und Verhältnisse

In Sci-Fi Filmen bin ich von allen Vasen gerührt, die in dieser Welt übrig geblieben sind

Meine Augen brennen

 

Dies ist ein dringender Wunsch ein Buch zu machen, mit allen Gedichten über eine toxische Nostalgie,

welche die Verfechter der alten Stärke treffen.

 

Text: Julia Znoj

 

Für „Pfeiler“ entwickelt der in Wien/Frankfurt lebende Künstler Eugen Wist (*1989, Sheregesh, Russland) eine ortsspezifische Situation. Das Fensterglas ist mit einer grünlichen Substanz

beschmiert und lässt für die Betrachter*innen ein Guckloch frei, wodurch ein Wandobjekt zusehen ist – ein Buch mit Siebdruck, eine Van Gogh-Postkarte mit einem Blumen-Sujet und ein gefundener Stein. Eine Schnur hält alle Materialien zusammen und verbindet diese zu einer mehrschichtigen Komposition.

 

Donnerstag 29. November 2018–Sonntag 2. Juni 2019
Antonia Rippel-Stefanska
„Timokleia“

Timokleia war eine Bürgerin Thebens, die bei der makedonischen Besatzung um 335 v. Chr. von einem Soldaten vergewaltigt wurde. Auf diesen Gewaltakt hin führte sie den Täter zu einem Brunnen, stieß ihn hinein und bewarf ihn mit schweren Steinen bis dieser starb.

Wir stehen einer Figur gegenüber, die sich entblößt und uns mit der körperlichen Tragweite einer Gewalttat konfrontiert. Zugleich stehen wir einem Bild gegenüber, welches die Komplexität von Skulptur und den Bedingungen im Raum im Balanceakt mit der Schwerkraft sucht. In einem begrenzten Raum agierend, entwickelt die Skulptur zeitweise einen fast reliefartigen Charakter.

Viele skulpturale Anordnungen der Künstlerin entstehen, indem sie in Kleidungsstücken einzelne Körperteile gießt, verformt und zusammensetzt. Durch das Polieren der Oberflächen werden die feinen Innenräume des Materials nach außen getragen. Die so entstehenden Figuren provozieren verschiedene Wirkungverhältnisse zwischen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrbarkeiten von Körpern.

Inwiefern führt Gewalt zu einer Verformung des Eigenen und was bedeutet der Akt der Selbstjustiz von Timokleia heute?

 

Text: Diana Barbosa Gil

Ohne Titel, 2018
Zement, Mamorsplit, Pigment, Steingips, Stahl, LED, dreimal blaues Sicherheitsverbundglas