Klasse

Hans Schabus

"Pfeiler" ist ein Ausstellungsraum in der Brückenpassage / MQ.

Im vierteljährlichen Rhythmus wird hier eine Arbeit von Absolvent*innen der Abteilung Skulptur und Raum gezeigt.

 

Julia Steinbach

„in this scenery"

 

Ausstellungseröffnung

Dienstag, 5. Oktober 2021, 18:00 Uhr

 

Ausstellungsdauer

Mittwoch, 6. Oktober–Freitag, 10. Dezember 2021

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Julia Steinbach

 

The writer Bodil Malmsten once said that she hates music because it is the one form of artistic expression that doesn’t take the detour through the intellect, but rather manipulatively, goes straight to the heart. The same could be said about decoration.

 

The vases, the tablecloths, the figurines, the candleholders, the flowerpots, the knickknacks, the lamps, the blankets, the carpets, the pillows, the wallpapers. To decorate is to allow the subconsciousness of taste to surface. It is to lose oneself in the facilitation of visual and spatial pleasure and comfort. It is to acknowledge all the objects and images that we, on a purely practical level do not need, but depend on spiritually.

 

If we look at an artwork as an externalised thought process, decoration could be seen as an externalised emotional or intuitive process. It’s all desire, pleasure and impulse. As I write this I realise the same could be said for art. Maybe the real difference is that with decoration we don’t feel the need to ask any clever, well-formulated questions, casually referring to the theorist du jour. We don’t expect there to be a text providing us with a context and a point of entry. We don’t feel the need to understand, we just enjoy it to the deepest and fullest meaning of the word.

 

Text: Albin Bergström

 

Julia Steinbach (*1989, Avesta, Schweden) diplomierte im Januar 2021 in der Klasse Skulptur und Raum an der Angewandten. Sie lebt und arbeitet seit 2017 in Wien.

 

Mittwoch, 29. Juni–Freitag, 24. September 2021

Christoph Giesch
„lookout"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parallel eröffnet Christoph Giesch die Ausstellung lookout (Doppelpfeiler) in der Favoritenstraße 13, 1040 Wien.

 

[wispern]

Mit unseren menschlichen Sinnen, fuhr sie fort, nehmen wir nur die uns zugewandte Seite der Dinge wahr. Wir ziehen ein, statten unseren Raum aus, unsere Grundmöbel und andere Hilfsmittel und obwohl wir normalerweise nur eine Seite der Existenz sehen, die Seite, die zu uns gerichtet ist, existieren wir in Wirklichkeit in der doppelten Strömung des größeren Atems.

 

Wir verweilen auf der Grenze. Und die Wände dieses Raumes beginnen sich zu öffnen.

 

Und vergiss nicht,

diese, der Wände, noch andere Seite:

selbst sie, die unverrückbar dir scheinen,

sind voller Wandlung.1

 

Der Begriff „Wand“ bezieht sich ursprünglich auf Wände aus Weidengeflecht, ein gewebtes Gitter aus dünnen Ästen, die sich wie Flechtwerke biegen. Dies findet seine Entsprechung in der Verben sich winden und wenden.

 

Text: Linda

 

1 Das Totengedicht, Jean Gebser (1945)

 

Mittwoch, 5. Mai–Freitag, 25. Juni 2021

Anastasia Jermolaewa
„Arch Support"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Jennifer Gelardo

 

Droplets of warm sweat run down my glowing forehead.

After 3 hours of heavy lifting I glance over to the vertical cardboard formations now inhabiting my otherwise empty hallway. Quite a challenge for my lower ribs.

 

The boxes function as shells.

Prevent damage.

Hollow units that contain, conceal and unify.

Cardboard, sellotape, packing peanuts, foam.

Keep the pearl safe.

Non-materials of the in-between.

Fridge, urn, airplane, museum.

Ensure safety and integrity of the product.

A to B.

 

All of a sudden - I’m spinning. Light headed & dry mouthed…

I settle down on one of the cardboard towers. I’m the oversized gargoyle to this Gothic church, waiting for water to hydrate my throat.

 

Text: Samuel Linus Gromann

 

Mittwoch, 27. Jänner–Freitag, 9. April 2021

Felizitas Moroder
„Gear"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

constants contradict contrary constellations

I keep repeating until my mouth is sandy

constants contradict contrary constellations

 

some people dive deep to retrieve pearls

they endanger themselves

they could be collecting shells from the beach instead

through small crashes of shells — sand forms

dervishes are turning in caves

there is an urge to repeat and to rest

a gaze to the far, as if everything far is good

so they dive

again

deep

 

I pac

fast - forward - further

it seems unnatural

looking for scissors to cut unsteady thoughts

one turns to artificial nights

briefly pain will figure our movement

 

J.Haller says in his „Theories of Friction“

chapter 4.1.3

„when two bodies are rubbed together,

some form of interaction takes place

at the contacting surfaces

resulting in a resistance to relative motion.

most friction theories

assume that the resistive force

per unit area

of contact is a

constant, thus…“

 

it all becomes movement

autonomous  movement

repetition becomes ground

for the next pearl retrieval

there is an obligation

to cope with dissonance

pillars of inevitable contrasts

are resting their head on sharp coral reefs

 

time is a component

repetition is key

I am variable

my mouth still sandy

constants contradict contrary constellations

 

Text: Dafne Aruyta Ilhan

 

Mittwoch, 7. Oktober 2020–Freitag, 22. Jänner 2021

Rafaella Pilar Isnit
„…selbst bei so viel wurscht"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wurscht. Es ist eine Mentalität, beinahe klischeehaft wienerisch. Denn die Wurst hat zwei Enden. Zwei Möglichkeiten.

Schützend und Form bestimmend, das Netz in welchem die Wurst reift. Nichts ist absolut, schon gar nicht die Freiheit. Jeden Tag hinterlassen alle Spuren. Im privaten Raum ist das anders. Allein du, alles ist ausgeschnapst. Alles spricht Intimität und Stabilität.

Plötzlich wird eine Krise ausgerufen. Verlust wird aktuell. Gegenwärtige Ungewissheit entsteht. Keine planerischen Werkzeuge mehr. Empfohlen wird solidarische Distanz, sicher im abgeschirmten Raum.

Nur mehr eine abgekoppelte Wahrnehmung der Zeit. Ich werde Raum und Enge wird zunehmend spürbar. Einschnitte. Gesammelte Erfahrungen verstärken die Intensität. Meine Bedürfnisse werden deutlich. Ich habe noch Wurst im Kühlschrank.

Nach dem Schock. Ich suche nach Bewegung. Jetzt sind wohl alle ihr eigener Raum. Kein Gebrauch von Zeit. Ohne Zeit, sind dann noch alle? Welche Realität? Meine Materialität? Ich bin müde vom Absorbieren. Wurscht.

Denn die Wurst hat zwei Enden. Zuletzt zwei Möglichkeiten, selbst bei so viel wurscht.

 

Text: Rafaella Pilar Isnit

 

Mittwoch, 8. Jänner–Mittwoch, 30. September 2020

Philip Pichler
„Gift“

Lower volume in higher frequencies, deep layered brown noise. Like a whole ocean, rumbling between 5 and 9 Hz. A frequency, lower than the limit of human hearing.

A “rough” present to the sleep deprived person. Relaxing and calming deep sleep aid. The downside: Earbuds prevent me from being a side sleeper. Gotta stay on my back at all times.

(Ab morgen keine toxische Feinstaub Belastung sondern autofreie Innenstadt; ein möglicher Wunsch. Das Gegenteil: Ein vermeintliches Geschenk für die Allgemeinheit. “Liebe Mieterinnen und Mieter, bitte Entschuldigen sie die nächtliche Störung in den kommenden Wochen [...]” - Herr Oberbürgermeister. Persönliche Unterschrift. Acht Spuren sind die Zukunft vor dem Fenster.)

Typically, I prefer smoothed brown noise. It is not as rough. Mixes on streaming plattforms are between 6 and 12 hours long. Cancelling most noise, making sense of my existence.

 

Text: Daniel Stubenvoll

 

 

Mittwoch 12. Juni–Sonntag 13. Oktober 2019
Eugen Wist
„unwanted souvenir“

Es ist flach und heißt Schiefer

Es hat einen Namen und… Geste, Geste… mit meiner Hand vom Gehsteig

Ich kann nicht aufhören, mich für die getrockneten Blumen an meiner Wand zu hassen

Dieses Kit ist dazu da, das Vergangene zu überkommen

Die ordentliche Altbauwohnung und Verhältnisse

In Sci-Fi Filmen bin ich von allen Vasen gerührt, die in dieser Welt übrig geblieben sind

Meine Augen brennen

 

Dies ist ein dringender Wunsch ein Buch zu machen, mit allen Gedichten über eine toxische Nostalgie,

welche die Verfechter der alten Stärke treffen.

 

Text: Julia Znoj

 

Für „Pfeiler“ entwickelt der in Wien/Frankfurt lebende Künstler Eugen Wist (*1989, Sheregesh, Russland) eine ortsspezifische Situation. Das Fensterglas ist mit einer grünlichen Substanz

beschmiert und lässt für die Betrachter*innen ein Guckloch frei, wodurch ein Wandobjekt zusehen ist – ein Buch mit Siebdruck, eine Van Gogh-Postkarte mit einem Blumen-Sujet und ein gefundener Stein. Eine Schnur hält alle Materialien zusammen und verbindet diese zu einer mehrschichtigen Komposition.

 

Donnerstag 29. November 2018–Sonntag 2. Juni 2019
Antonia Rippel-Stefanska
„Timokleia“

Timokleia war eine Bürgerin Thebens, die bei der makedonischen Besatzung um 335 v. Chr. von einem Soldaten vergewaltigt wurde. Auf diesen Gewaltakt hin führte sie den Täter zu einem Brunnen, stieß ihn hinein und bewarf ihn mit schweren Steinen bis dieser starb.

Wir stehen einer Figur gegenüber, die sich entblößt und uns mit der körperlichen Tragweite einer Gewalttat konfrontiert. Zugleich stehen wir einem Bild gegenüber, welches die Komplexität von Skulptur und den Bedingungen im Raum im Balanceakt mit der Schwerkraft sucht. In einem begrenzten Raum agierend, entwickelt die Skulptur zeitweise einen fast reliefartigen Charakter.

Viele skulpturale Anordnungen der Künstlerin entstehen, indem sie in Kleidungsstücken einzelne Körperteile gießt, verformt und zusammensetzt. Durch das Polieren der Oberflächen werden die feinen Innenräume des Materials nach außen getragen. Die so entstehenden Figuren provozieren verschiedene Wirkungverhältnisse zwischen individuellen und gesellschaftlichen Erfahrbarkeiten von Körpern.

Inwiefern führt Gewalt zu einer Verformung des Eigenen und was bedeutet der Akt der Selbstjustiz von Timokleia heute?

 

Text: Diana Barbosa Gil

Ohne Titel, 2018
Zement, Mamorsplit, Pigment, Steingips, Stahl, LED, dreimal blaues Sicherheitsverbundglas